Es gibt Metzgereien, die jahrein, jahraus die gleichen Produkte herstellen. Was spornt Sie an, immer wieder neue Akzente zu setzen?
Markus Wetter: Das Leben ist viel zu kurz, um immer nur das Gleiche zu machen. Ich sage immer wieder, dass wir tagtäglich (fast) Unmögliches versuchen möglich zu machen. Das spornt an und kann einzigartig und spannend werden. Auch dazu ein paar Beispiele: Den Appenzeller Pantli produzieren wir als traditionelle Rohwurstspezialität in verschiedenen Grössen, aber wir führen auch Varianten mit Appenzeller Säntis Malt Whisky oder mit Heuschnaps. Für Österreich haben wir eine Wurst mit der weltbekannten Stanzer Zwetschke, einem sogenannten Zwetschgenschnaps, lanciert, die sehr gut ankommt. Kreativität und Originalität sind aber nur ein kleiner Teil des Erfolges. Heutzutage müssen Produkte eine exklusive Geschichte haben und sie müssen Emotionen wecken. Wie zum Beispiel unser Bunkerschinken auf dem Kronberg: Das ist eine fantastische Geschichte. So entsteht dann eine Beziehung zum Lieferanten, Kunden, Ort und zum Produkt. Dem Trend entsprechend muss zusätzlich die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe speziell gewährleistet sein und die Produkte müssen eine hohe Regionalität aufweisen. Dafür ist der Konsument auch bereit, allenfalls etwas mehr zu bezahlen.
Sie verkaufen auch die wohl teuersten hausgemachten Bratwürste. Was macht die Wurst so speziell?
Markus Wetter: Als ich das Produkt «San Gala Bratwurst» für Emil Engler entwickelte, steckten wir zum Ziel, die weltbeste Wurst zu produzieren. Sie enthält nur edelstes Kalbfleisch, kein Gramm Phosphat und keine Zusatzstoffe, sondern nur Reingewürze. Und wir geben ihr Appenzeller Milch bei – dies in Form von Appenzeller Milcheisflocken, die wir selber herstellen und auch an andere Fleischindustriebetriebe verkaufen. So kostet eine echte San Gala Bratwurst bei uns im Geschäft effektiv über vier Franken, und wir verkaufen sie dennoch sehr gut, weil es ein nachhaltiges, einzigartiges Produkt ist.
Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie in der Produktion?
Markus Wetter: Wir beschäftigen rund 20 Mitarbeiter, davon arbeiten sieben bis zehn Angestellte in der Produktion.
Welchen Stellenwert nimmt die Veredelung der Produkte ein?Markus Wetter: Das ist ein ganz zentraler Faktor. Bei der Veredelung von Fleischprodukten ist die Qualität des Rohmaterials enorm wichtig. Darum setzen wir die Messlatte bei der Qualität extrem hoch. Es kommt vor, dass wir Fleisch ablehnen und nicht kaufen, weil wir von der Qualität nicht überzeugt sind. In diesem Fall heisst mein Motto: Aus nichts gibt es nichts. Ich kann kein Fleisch veredeln, wenn die Ware nichts taugt.
Einfallsreich zeigen Sie sich auch im Bereich von Wildfleisch. Sie vertreten die These, dass Wild nicht nur im Herbst angeboten werden soll. Warum?Markus Wetter: Gegenfrage: Warum nicht? Heutzutage können wir ja auch ganzjährig Erdbeeren und Spargeln kaufen. Weshalb also nicht auch Wild? Wildfleisch ist äusserst schmackhaft und gehört zu den gesündesten Fleischsorten. Deshalb sehe ich nicht ein, weshalb wir uns im Konsum beschränken sollen. In Österreich, Tirol, wird Wild von April bis Ende Dezember erlegt. Zum Beispiel jetzt, Anfang 2018, wird immer noch Wild erlegt, bis der zwingend nötige Abschuss erreicht ist. Ich kann also bis auf ein paar wenige Monate stets frisches Wild beziehen und die restliche Zeit mit gelagerten Produkten überbrücken. Entsprechend können bei uns die Kunden immer Wildbret kaufen – und das machen sie auch.
Was macht das Wildfleisch für uns so gesund?Markus Wetter: Es enthält wenig Fett, dafür viele Vitamine und Nährstoffe, mit einem hohen Gehaltsanteil von Eisen. Aus meiner Sicht ist Wild eines der natürlichsten und tierschutzgerechtesten Lebensmittel. Einen kleinen Teil des Wildes beziehen wir aus der Region, der grösste Teil aber aus dem Tirol. In der Schweiz gibt es ganz einfach viel zu wenig Wild. Landesweit werden über 80 Prozent des benötigten Wildfleisches importiert.
Warum setzen Sie beim Wildimport auf Österreich?Markus Wetter: Weil unser Nachbarland bedeutend näher liegt und die Rückverfolgbarkeit sehr transparent ist. In den letzten Jahren haben wir begonnen, das Wild selbst zu importieren, ganz in der Decke. Der Nachteil liegt jedoch darin, dass die Zollkosten aus meiner Sicht unverhältnismässig hoch waren. Darum habe ich mich entschlossen, in Österreich einen Produktionsbetrieb zu erstellen. Nun verarbeiten wir das Fleisch dort, verkaufen mittlerweile aber schon einen schönen Teil davon in Österreich und exportieren den Rest in die Schweiz.<br />